Eindrücke vom Trend Briefing der imm cologne

Die Koelnmesse lädt zum virtuellen Pressetermin

Wie packt man eine internationale Möbelmesse, die gar nicht stattgefunden hat, in 90 Minuten? Wie schafft man den Spagat zwischen Frustration und Optimismus? Was macht man mit den Erwartungen von Ausstellern und Besuchern, während man nichts tun kann, als auf Sicht zu fahren? Wahrlich keine leichte Aufgabe! Aber: Sie wurde beim Trend Briefing der imm cologne gut gemeistert, wie ich finde. Hier meine Eindrücke vom virtuellen Pressetermin aus der zweiten Februarwoche im Jahre 2 nach Corona.

Wohnliches Setting

Ein breites Sofa in einem Wohnzimmer. Durch die Fenster der Kulisse blicken wir auf die Skyline von Köln mit ihrem Wahrzeichen, dem Dom. Auf dem Sofa, von rechts nach links: Claire Steinbrück, Direktorin der imm cologne, die Abstandsdame Fräulein Einskommafünf und Matthias Pollmann, Geschäftsbereichsleiter Messemanagement der Koelnmesse, mit gut gestylter Corona-Frisur. Wenn’s mal wieder länger dauert mit dem Lockdown…

Matthias Pollmann und Claire Steinbrück beim Trend Briefing der imm cologne. Screenshot für den Blogartikel zum Pressetermin von Christine Piontek.
Matthias Pollmann und Claire Steinbrück beim Trend Briefing der imm cologne. Foto: Screenshot

Während der nächsten 90 Minuten spielen sich die beiden im lockeren Gespräch auf Englisch die Bälle zu, berichten von Trends und moderieren Einspielfilme an. Dazwischen geben sie ab zum Kollegen Dick Spierenburg, dem Kreativdirektor der imm cologne, der in ebenfalls wohnlichem Ambiente Videointerviews mit Designern führt. Das alles wird mir serviert, während ich selbst gemütlich auf meinem Sofa sitze. Angenehmer und zugleich abwechslungsreicher kann ein Pressetermin kaum sein.

Sechs Wohntrends für die Saison 2021/22

Der Schwerpunkt beim Trend Briefing der imm cologne liegt auf sechs Wohntrends, die die Messe für das kommende Jahr ausgemacht hat. Schön ist, dass sie nicht an einem Stück abgespult werden. Das hätte bei der Fülle an Informationen schnell recht heftig werden können.

So aber gibt es einen Spannungsbogen. In Einspielfilmen ergießt sich eine wahre Bilderflut aus vergangenen Messen, die den jeweiligen Trend illustriert. Ganz schön MTV, hätte mein ehemaliger Redakteur beim WDR geurteilt und mit Blick auf die ältere Zielgruppe veranlasst, das umzuschneiden.

Was sagt uns das? Ich werde alt.

Meine Rettung ist die interaktive Pressemappe (hicer shice! – schnell gegensteuern), in der alles noch einmal detailliert aufbereitet, reich bebildert und ausführlich erklärt ist. Und die zücke ich jetzt mal geschwind, um meine Leser auf den neuesten Stand zu bringen, was nun diese sechs Wohntrends betrifft. Da hätten wir:

1. Natural Luxury

Zeichnete sich schon bei den Prognosen vor zwei Jahren ab, erobert nun die ganze Welt und darf beim Trend Briefing der imm cologne nicht fehlen: Beim Einrichten in schlichter Formensprache mit hochwertigen Naturmaterialien geht es um Qualität vor Quantität und Handwerkskunst. Weniger Konsum, mehr Nachhaltigkeit. Alles ist erlesen und edel, für einen Hauch Skandinavien und ein Gefühl von Luxus. Dabei darf die Anbindung an die Natur nicht fehlen, was sich drinnen auch in der Wahl entsprechender Farben spiegelt.

2. Connected Living

Der Name ist Programm: smarte Technologien im gut vernetzten Zuhause mit neuen Möglichkeiten. Corona wirkt auch hier wie ein Katalysator. Es geht nicht mehr nur darum, von draußen Rollos, Heizung oder Waschmaschine zu regeln. Vielmehr simuliert man drinnen, was draußen gerade nicht geht. Spieglein, Spieglein an der Wand zum Beispiel kontrolliert statt der Frisur, ob die Sportübung korrekt ausgeführt wird.

3. Blurring Boundaries

Alles fließt, wird eins. Wo Wohnräume miteinander verschmelzen, markieren (multi)funktionale Möbel die einzelnen Zonen oder wirken – unterstützt von Accessoires und Farben – wie organische Raumteiler. Gerade auf kleiner Fläche entsteht so ein Gefühl von Luftigkeit. Aber: „Wände raus“ entpuppt sich in Zeiten von Corona nicht unbedingt als Allheilmittel! Wer sich notgedrungen dauernd auf der Pelle hockt, braucht auch Rückzugsorte. Eine große Herausforderung für Architekten und Designer.

4. Multifunctional

So groß offenbar, dass beim Trend Briefing der imm cologne gleich noch ein eigenes Kapitel für die multifunktionalen Allrounder reserviert wird. Je kleiner der Raum, desto höher die Anforderungen an die (platzsparenden und kompakten) Möbel. Sie müssen zum Wohnen und Arbeiten taugen, viel Stauraum bieten und sollen auch optisch eine gute Figur machen. Wichtig Aspekte im Zusammenhang mit maximalem Komfort sind zum Beispiel ein modularer Aufbau und Ergonomie.

5. For Seasons

Nein, hier fehlt kein „u“. Ist Absicht. Passt auch, denn jetzt geht‘s kreativ zur Sache. Alles ist erlaubt, wenn es dem Ausdruck der eigenen Persönlichkeit in der und durch die Wohnung dient: knallige Farben, große Muster, üppige Deko. Jahreszeiten und Feste geben dabei den Rhythmus vor. Wir dekorieren im Einklang mit der Natur für die jeweilige Saison. Derweil sind wir durch Corona eingeschränkt. Was passiert? Wohnen wird Hobby und Gesprächsthema. Wir tauschen uns in den sozialen Medien darüber aus. So wird der Trend mit immer neuen „Hacks“ zum Umgestalten weiter befeuert.

6. Sharing Spaces

Co-Working und Co-Living sind hier die zentralen Stichworte, einmal mehr verstärkt von Corona und dem andauernden Trend zur Urbanisierung mit knappem Wohnraum. Wir arbeiten vermehrt im Homeoffice, finden nur punktuell zusammen. Da braucht es keine riesigen Büros, die hohe Mietkosten mit sich bringen. Was sich in der Arbeitswelt bewährt, wird auch zuhause Schule machen (no pun intended!). Wohnhäuser mit privaten und gemeinsam genutzten Bereichen sind nicht nur erschwinglicher für alle Beteiligten, sondern fördern auch das Miteinander – egal, ob die Bewohner nur kurz verweilen und ihre Möbel mieten oder sich langfristig stilvoll einrichten möchten.

Das Apartment HAUS 2022

Um genau dieses Konzept und seine vielfältigen Formen, die einen flexiblen, modernen Lebensstil unterstützen, dreht sich zur kommenden Möbelmesse Das Apartment HAUS. Seit 2012 gestalten namhafte Designer in Köln ihre Vision vom Wohnen in einem ganzheitlichen Konzept mit dem Titel Das Haus. Zum 10-jährigen Jubiläum, das eigentlich schon in diesem Jahr hätte stattfinden sollen, gibt es erstmals eine Kollaboration.

Beim Trend Briefing der imm cologne spricht Dick Spierenburg mit dem Designer Sebastian Diez ebenso wie mit den alten Hasen in Sachen Das Haus: Sebastian Herkner, Luca Nichetto und Kate und Joel Booy von Studio Truly Truly. Sie werden jeweils einen Teil zum neuen Projekt beisteuern und dort einzelne Bereiche gestalten.

Creative Director Dick Spierenburg interviewt beim Trend Briefing der imm cologne verschiedene Designer per Video.
Dick Spierenburg im Gespräch mit den Machern von Das Apartment HAUS. Auch ich habe es mir auf dem Sofa gemütlich gemacht. Ein angenehmer Pressetermin!

Ich bin nach diesen Teasern sehr gespannt und freue mich über die Ankündigung, dass die Messe 2022 dann doch wieder sieben statt fünf Tage dauern soll. Das Team der imm cologne hat sich hier offenbar zahlreiche Rückmeldungen von Ausstellern und Besuchern zu Herzen genommen. Ich finde das super, denn so hat man genug Zeit, alles in Ruhe anzusehen und ist zeitlich flexibler.

Finale mit den Pure Talents

Und noch einmal Sebastian Herkner. In seiner Funktion als Jury-Mitglied beim Pure Talents Contest betont er zum Schluss der Veranstaltung im Gespräch mit Claire Steinbrück, wie wichtig die Messeplattform gerade für junge Designer sei. Hier könnten sie sich und ihre Ideen bekannt machen.

In diesem Jahr entfiel die große Bühne. Der Wettbewerb für den Nachwuchs wurde trotzdem durchgeführt. Besser so, denn es gab sage und schreibe 862 Produkteinreichungen aus 59 Nationen. 26 Entwürfe bekamen eine Nominierung. Beim Online-Presseevent werden die Gewinner feierlich verkündet:

Der 1. Platz geht an die Brasilianerin Luiza Guidi für ihre „Maya Collection“. Lichtskulpturen, die wie leere Rahmen wirken, verleihen den Wänden im Raum Tiefe.

Platz 2 ist auch eine Leuchte – im doppelten Sinne. Dirk Vosding aus Deutschland vereint in „Elina“ eine Buchstütze mit einem flexiblen Leselicht.

Über den 3. Platz freut sich (denke ich doch mal!) ein „Finnnää“ (Samu Haber, raus aus meinem Kopf!). Tatu Laakso begeistert die Jury mit seinem ergonomischen „Olivia Chair“.

Dann gibt es natürlich noch einen Gewinner für den Bereich LivingKitchen, die dieses Jahr auch hätte stattfinden sollen. Mit der mobilen „Guerilla Kitchen“, die an eine kompakte Werkzeugkiste erinnert, holt sich der Deutsche Erik Mantz-Hansen den Sieg.

Herzlichen Glückwunsch zu wirklich tollen Ideen, die dem Trend Briefing der imm cologne einen schönen und würdigen Abschluss geben. Welche davon gefällt Ihnen am besten? Schreiben Sie es doch einfach ins Kommentarfeld!

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