Schreiben ist wie Kofferpacken

Die 7-Punkte-Routine fĂŒr Text- und Packmuffel

Urlaube sind toll! Allerdings sind sie auch mit einem gehörigen StĂŒck Arbeit verbunden. Denn vor Entspannung und Erlebnisse hat der liebe Gott das Kofferpacken gesetzt. Also den Part, wo ich entscheiden muss, was ich mitnehme. Je kleiner der Koffer, desto grĂ¶ĂŸer die Herausforderung, alles unterzubringen. Als ich kĂŒrzlich fĂŒr eine Frankreichreise packte und mal wieder vor einem Stapel Klamotten hockte, fiel mir auf: Schreiben ist wie Kofferpacken! Hier meine Gedanken zur Schreibroutine als kleine UrlaubslektĂŒre.

Ich hasse Packen! Ganz ehrlich, danach bin ich urlaubsreif. Denn ich brauche immer ewig dafĂŒr und das nervt. Ich freue mich aber wie Bolle, wenn ich alles unterbringe und dann endlich im Auto, Zug oder Flieger sitze. Und am Zielort merke, dass ich nichts vergessen habe, nicht friere und gut ausgestattet bin. Dann kann ich den Urlaub in vollen ZĂŒgen genießen. Ausnahme: Bahnreisen. Da geht das meist auch schon vor der Ankunft!

(Ihr könnt die FĂŒĂŸe wieder runternehmen; der Flachwitz ist durch.)

Gedanken zur Schreibroutine von Christine Piontek: Schreiben ist wie Kofferpacken - eine kleine UrlaubslektĂŒre

Aus Berichten von Kunden weiß ich: Was fĂŒr mich das Packen, ist fĂŒr andere das Texten. Allein der Gedanke, einen Sachverhalt oder ein Anliegen in Worte fassen zu mĂŒssen, löst bereits Stress aus. Beim Schreiben gehen viel Zeit und Nerven drauf. Und im schlimmsten Fall klingt das Ergebnis holprig und total daneben.

(Schreib)Routinen helfen

Wer ums Texten nicht herumkommt, kann versuchen, es zu erlernen. Gut funktionierende AblĂ€ufe und Tricks mĂŒnden vielleicht in einer Strategie, mit der die Arbeit leichter von der Hand geht. Analog dazu habe auch ich mir eine Routine zugelegt, mit der ich dem Packen den grĂ¶ĂŸten Schrecken nehme und ein fĂŒr mich zufriedenstellendes Ergebnis erhalte.

Werde ich deshalb zum Packmeister? Wohl kaum. Da könnte ich mir zum Beispiel bei dieser Expertin noch eine Menge abgucken. Und wĂŒrdet ihr meinen Schatz fragen, der seine Urlaubsausstattung in Windeseile, zielsicher und passgenau in einer Tasche von ĂŒbersichtlicher GrĂ¶ĂŸe verstaut, bekĂ€me ich wohl nur durchschnittlich gute Noten. Er hat den Dreh eben einfach raus …

Meine 7-Punkte-Schreibroutine

DafĂŒr geht mir das Texten in der Regel gut von der Hand und macht auch deutlich mehr Spaß. Gott sei Dank, sonst hĂ€tte ich den falschen Beruf ergriffen! Wie es der Zufall will, gibt es in meiner Schreibroutine aber einige Parallelen zum Verreisen. In diesen 7 Punkten ist Texten wie Kofferpacken:

1. Recherche

Was das Packen betrifft, so wĂŒrde ich die Sache am liebsten schnell hinter mich bringen, ein paar Teile schnappen und los. Aber dann stehe ich nachher womöglich mit Streifenhose und Punkteshirt da und gucke dumm aus der WĂ€sche. Genau wie das Schreiben braucht der Urlaub einige Vorbereitung, wenn er schön werden soll.

Also gucke ich: Was erwartet mich am Urlaubsort? Wie wird das Wetter? Was kann ich unternehmen? Brauche ich festes Schuhwerk, Badesachen, einen Mantel? Kann ich mich abends noch luftig bekleidet ins Restaurant setzen? Muss ich bestimmte Outfits einpacken, weil ich zu besonderen Veranstaltungen möchte?

Auch die Schreibroutine starte ich mit einer Recherche. Dazu gehört, dass ich mit meinen Kundinnen und Kunden spreche. Ich frage gezielt nach Werten, Vorstellungen und Anforderungen sowie natĂŒrlich nach den jeweils vom Thema abhĂ€ngigen wichtigen Aspekten.

WĂ€hrend dieses Briefings lĂ€sst sich ĂŒbrigens auch vieles zwischen den Zeilen erfahren, und ich kann es durch Nachhaken konkretisieren. Dabei kommen oft neue Ideen oder AnsĂ€tze heraus, die vielleicht sogar noch besser funktionieren. Am besten funkt es, wenn mein GegenĂŒber locker, humorvoll und offen ist.

2. Stoffsammlung

Die Ergebnisse aus Recherche und Briefing verwandele ich in eine Stoffsammlung. Vor einer Reise sogar ganz wortwörtlich: Ich gehe an meinen Kleiderschrank und werfe alle Klamotten, die mir passend erscheinen, auf einen großen Haufen. UFF!

3. Gliederung

Jetzt muss da Struktur rein. Was bei der Schreibroutine die Gliederung am roten Faden ist, den das Thema vorgibt, ist beim Packen das Zuordnen von KleidungsstĂŒcken nach AnlĂ€ssen und Outfits. Was kann ich wie möglichst clever kombinieren? Beim Schreiben außerdem: In welcher Reihenfolge vergebe ich die Informationen? Schließlich soll es nicht nur schlĂŒssig, sondern auch spannend sein. Unterhaltsame Texte sind nachhaltiger als langweilige!

4. Kill Your Darlings

In der Regel bleibt beim Sortieren etwas ĂŒber. Die Farbe eines Shirts passt nicht zum Rest der Kleidung. Das extra Paar Schuhe wĂ€re zwar nice to have, aber ich weiß genau, die entsprechende LĂŒcke im Koffer geht fĂŒr den Kulturbeutel drauf. Seufz. Naja. Vermutlich wĂŒrde ich die Treter eh nicht anziehen.

Im kreativen Prozess nennt man dieses Aussortieren geliebter, aber letztlich ĂŒberflĂŒssiger Elemente „Kill Your Darlings“. Ich töte meine Liebsten. Ich streiche einen Absatz und beim Packen auch mal zwei und bringe das schöne Paar Schuhe schweren Herzens um die Ecke. Also zurĂŒck in den Schrank. Grausam!

5. Ab in den Koffer!

Jetzt erst – und fĂŒr manche vielleicht ĂŒberraschend – geht es so richtig ans Schreiben bzw. Packen! Eigentlich ein Bruchteil der ganzen Schufterei. Will ich im Koffer möglichst viel unterbringen, um vor Ort flexibler zu sein, rolle ich die Kleidung und ordne sie kompakt an. Das ist etwas fummelig, im Urlaub dafĂŒr komfortabler.

Auch beim Schreiben kriege ich durch prĂ€zise Formulierungen mehr Informationen unter. Das ist umso wichtiger, wenn die TextlĂ€nge begrenzt ist. Das Feilen ist oft zeitaufwendig, erfordert Erfahrung und ein gutes SprachgefĂŒhl. Weshalb – nebenbei bemerkt – kompakte Texte in die Königsklasse gehören und keine Billigprodukte sind. Schließlich soll sich das Ganze immer noch schön anhören und einen Mehrwert bieten!

6. Check

Heureka, der Koffer geht gerade noch zu, und der Text hat auf die Zeichenzahl die richtige LĂ€nge! Ein GefĂŒhl von wohliger Zufriedenheit stellt sich ein. Jetzt kommt die Gretchenfrage: Habe ich auch nichts vergessen?

In meiner Schreibroutine gehe ich nochmal zurĂŒck an den Anfang. Ein letzter Blick auf meine Stoffsammlung und die wichtigen Punkte, die ich mir im Briefing notiert habe, verschafft Sicherheit. Und natĂŒrlich wird Korrektur gelesen.

FĂŒr Reisen habe ich eine allgemeine Packliste, wo alles draufsteht, was man im Urlaub so brauchen könnte. SpĂ€testens jetzt merke ich, ob etwas fehlt. Alles drin? Und auch keine unerlaubten „FlĂŒssschkeiten“ im HandgepĂ€ck? Dann kann’s ja losgehen!

7. Abnahme

Wer keine Kofferwaage zuhause hat, muss sich beim Gewicht auf sein GefĂŒhl verlassen und wird bei Flugreisen einen verstohlenen Blick auf die Waage am Schalter werfen, wenn das GepĂ€ck aufs Band geht. Die freundliche Dame vom Bodenpersonal lĂ€chelt und wickelt den Aufkleber um den Griff? Dann ist wohl alles in bester Ordnung.

Auch die Schreibroutine endet mit einer Abnahme. In der Regel, so darf ich stolz sagen, wird hier ebenfalls freundlich genickt, weil wir uns ja vorher gut abgesprochen haben. FĂŒr kleinere Änderungen ist eine Korrekturschleife im Preis enthalten. So, wie ich im Zweifelsfall noch den dicken Pulli und die Jacke aus dem Koffer holen könnte und die schwereren Schuhe anziehen, sollte ich mal ein bisschen „drĂŒber“ sein.

Die Sache mit den annullierten FlĂŒgen …

Übrigens: Kunden, die hier mit dem Feedback auf sich warten lassen, sind wie die Airline, die mich wĂ€hrend meiner oben erwĂ€hnten Frankreichreise hat hĂ€ngen lassen. Da wurde nĂ€mlich der RĂŒckflug kurz vor knapp gestrichen und ich steckte nachts in Marseille fest. Am nĂ€chsten Morgen ging es mit dem Bus nach Nizza. Von dort nach Frankfurt. Und von Frankfurt nach DĂŒsseldorf, wo ich erst abends ankam. Das wĂ€re auch nur halb so tragisch gewesen, wenn ich an dem Tag nicht Geburtstag gehabt hĂ€tte! In DĂŒsseldorf warteten liebe Menschen, die mit mir feiern wollten. Und der ganze Plan war im Eimer.

Auch beim Schreiben mache ich mir einen Zeitplan. Das nĂ€chste Projekt steht schon in den Startlöchern, wenn ein Text fertig ist. Es gibt immer genug zu tun, denn Freelancer haben in der Regel keine Langeweile! (Jawoll, wir entlarven hier ganz nebenbei ein paar doofe GlaubenssĂ€tze.) Bleibt die vereinbarte RĂŒckmeldung aus, kommt die Schreibroutine durcheinander. Irgendwer guckt dann mit Sicherheit dumm aus der WĂ€sche, weil der Plan im Eimer ist … Deshalb gilt immer meine herzliche, dringende Bitte: Gebt rechtzeitige Feedbacks!

Hilfe, der Koffer geht nicht zu!

Bleibt noch die Frage, was ich mit SonderfĂ€llen mache? Manchmal kann es ja sein, dass ich trotz sorgfĂ€ltiger Überlegung und aller Routine immer noch zu viel Zeugs habe. Dann gibt es nur eine Lösung: Ich verteile die Ausstattung fĂŒr meine diversen AktivitĂ€ten auf mehrere Koffer. Das Packen wird leichter, der Flugpreis dafĂŒr etwas teurer. Denn jedes weitere GepĂ€ckstĂŒck kostet extra. Andererseits ist es wiederum einfacher, mehrere kleinere Koffer zu tragen, als sich an einem dicken Kaventsmann einen Bruch zu heben.

Entsprechend rate ich auch potenziellen Kunden und Auftraggebern, die verschiedene Themen ansprechen möchten, diese lieber auf mehrere Texte zu verteilen. OK, mein Honorar fÀllt dann höher aus. Aber hey, wer will schon seine Leser mit Informationen erschlagen, verwirren und dann im Regen stehen lassen?! Sinnvolle, gut strukturierte HÀppchen sind nicht nur weniger anstrengend, auch die Botschaft bleibt besser hÀngen.

Dicke Koffer, starke MĂ€nner

Wenn die Zeit knapp ist, macht ein kĂŒrzerer Text mehr Lust aufs Lesen als ein dicker WĂ€lzer – genau so, wie ich lieber mit einem Köfferchen in den Urlaub starte als mit einem schweren Brummer, den ich kaum heben kann. Es sei denn, ich vertraue auf starke MĂ€nner in meiner Umgebung. Solche, die galant anbieten, das Trumm ins GepĂ€ckfach zu bugsieren. Wie der charmante Franzose im Zug nach Marseille, der 17 Kilo mit links wuppte. Oh, lĂ , lĂ !

Auch lange Texte (so wie dieser hier) sind nicht per se schlecht. Im Gegenteil! Werden sie bis zum Ende gelesen (yeah, du bist hier unten gekommen!), fĂŒhrt das zum Beispiel auf einer Website zu einer lĂ€ngeren Verweildauer. Dann freut sich die Suchmaschine und damit auch der Besitzer der Seite (also icke). Voraussetzung ist allerdings nicht nur ein fesselndes Thema, dessen Vermittlung einen Mehrwert bietet, sondern auch eine gute Struktur (scheint zu passen, wenn du das hier liest). Doch das, liebe Leute, ist ein Artikel fĂŒr sich …

Packservice

Ich mache jetzt den Sack zu mit einer frohen Botschaft an alle Textmuffel: Mit meiner Schreibroutine ĂŒbernehme ich gerne das „Packen“ fĂŒr euch, damit ihr direkt und ganz entspannt in den „Urlaub“ starten könnt. Also in den Teil, wo mein Text euren Leserinnen und Lesern Spaß macht, ohne dass ihr dafĂŒr einen Finger krumm machen oder ĂŒber dem weißen Blatt hirnen mĂŒsstet. Klingt gut? Dann …

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